Donnerstag, 22. September 2011

Der Hund und die Kunst

Vor einer ganzen Weile, als der Kleine noch ein Junghund war und wirklich viel zerstört hat, habe ich mich bei meiner TA über diese Tatsache ausgeheult. Ich habe ihr beschrieben wie viele Paar Schuhe schon angenagt, völlig zerstört oder einfach spurlos verschwunden sind und dass ich noch nie nie nie im Leben so einen schlimmen Welpen gehabt hätte. "Da haben Sie aber ein sehr kreatives Hundchen", sagte meine TA in ihrer so eigenen Art, wie Eltern die über ihre Kinder erzählen, die gerade mit Fingerfarben die Wohnzimmerwände neu gestaltet haben.
Wie kreativ das kreative Hundchen wirklich ist, sollte sich kurz darauf herausstellen. Ein Hund, ein weisses (!) Bettlaken und eine Stabilostift (schwarz) war alles was es brauchte um ein Stück Kunst zu schaffen.
Allerdings war das Bettlaken noch auf der Matratze als den Künstler die Muse küsste.


Der aufstrebende Künstler hat sich der gegenstandslosen Darstellung verschrieben. Eine scheinbar unendliche Zahl von schwarzen Linien und Bögen, unterschiedlicher Breite und Länge, verteilt auf einen kleinen Ausschnitt der insgesamt 140x200 cm grossen Leinwand sind zu erkennen. Die deutlich zu sehenden Absätze zeigen die Brüche im Leben des Künstlers, denen er sich zu stellen versuchte. Eine Verschmelzung mit dem Werk ist ersichtlich, da der Künstler auch eigenes Körperhaar auf dem Kunstwerk hinterlassen hat.Die soziologische Interpretation sieht in dem Kunstwerk das Universium als eine Glorifizierung des Seins im Hier und Jetzt. Die Kringel und Punkte sind eine Anspielung auf das Trauma der Aussetzung, des Verlassens von Mutter und Geschwistern. Eine psychoanalytische Deutung sieht in der Darstellung ein komplexes Gebilde aus bewegenden Balken und Röhren, die aber trotzdem flüssig den vorgezeichneten Wegen folgt. Es kann somit kollektive Verdrängung darstellen. Jeder einzelne geht einen vorgezeichneten Weg im Leben ohne aus seinem Weg auszubrechen oder ausbrechen zu können. Die Zerstörung des Werkzeugs ist der letzte Schritt in der kreativen Auseinandersetzung mit dem Leben und der Vergänglichkeit, eine Umarmung des Unausweichlichen, der Vernichtung.

Oder wie ein lieber Mensch es ausdrückte: "also ich würde es kaufen und an die Wand hängen".

Ich sollte dem Hund vielleicht einen ordentlichen Farbkasten schenken...möglicherweise habe ich den Andy Warhol des neuen Jahrtausends in der Kennelbox sitzen...

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